Ströhberne Bruck’n

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Koordinaten: 47° 0′ 29,4″ N, 15° 3′ 25,7″ O

Ströhberne Bruck’n
Ströhberne Bruck’n
Die Brücke im Jahr 2017
Überführt

Fußgänger

Unterführt

Guggibach

Ort Edelschrott
Konstruktion Balkenbrücke
Gesamtlänge 11,50 m
Tragfähigkeit 10 t[1]
Eröffnung 20. Juni 2001 (nach Sanierung)
Bauzeit 1816
Lage
Ströhberne Bruck’n (Steiermark)
Ströhberne Bruck’n
Höhe über dem Meeresspiegel 713 m ü. A.

Die Ströhberne Bruck’n (hochdeutsch Stroherne Brücke) ist eine historische Holzbrücke in der Marktgemeinde Edelschrott im österreichischen Bundesland Steiermark. Der Name bezieht sich auf das vormals strohgedeckte Dach.

LageBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Die Brücke liegt nördlich des Herzogbergs, eines östlichen Ausläufers des Steirischen Randgebirges. Sie überspannt den knapp 4 km langen Guggibach unmittelbar vor dessen Mündung in die zum Speicher Hirzmann aufgestaute Teigitsch. Die Fußgängerbrücke befindet sich rund 1500 m südlich vom Gemeindehauptort Edelschrott.

GeschichteBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Bereits im 17. Jahrhundert führte zwischen Edelschrott und dem Herzogberg eine strohgedeckte Holzbrücke über die Teigitsch. Der Barockkartograph Georg Matthäus Vischer verzeichnete den Übergang 1678 in seiner „Neuen Landkarte des Herzogthums Steiermark“ als „Ströhebruck“. 1809 näherten sich die im Zuge des Fünften Koalitionskriegs vorrückenden französischen Truppen unter Napoleon der Brücke. Einer Legende zufolge machten die Soldaten jedoch aus Sorge um ihr schweres Kriegsgerät kehrt, als sie von der Ströhbernen Bruck’n hörten und eine Brücke aus Stroh vermuteten.[2][3] Die heutige Brücke geht auf das Jahr 1816 zurück und musste bei Errichtung der Hirzmannsperre an den nahegelegenen Guggibach verlegt werden.[2]

BeschreibungBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Die Brücke in unmittelbarer Nähe zum Hirzmann-Stausee

Die Konstruktion der Brücke ist ein doppeltes Hängewerk mit 2 Hängesäulen in den Drittelpunkten. Die ursprünglich 14 m lange Brücke wurde 1949 bei der Translozierung an den heutigen Standort um 2,5 m verkürzt. Außerdem wurde die Tragfähigkeit der Konstruktion durch Einbau eines doppelten Sprengwerks unterhalb der Laufebene erhöht. Mit der Zeit hielt die Brücke dem motorisierten Individualverkehr nicht mehr stand, sodass die Errichtung einer neuen Autobrücke über den Guggibach nötig wurde. Ihre Position nur wenige Meter neben der alten Brücke führte zu deren optischer Beeinträchtigung und sorgte deshalb für Kritik.[4]

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befand sich die dem Verfall ausgesetzte Ströhberne Bruck’n in einem desolaten Zustand. Das vermooste Strohdach zeigte sich entlang der Firstzone eingefallen und die tragenden Hölzer drohten durch den fehlenden Witterungsschutz zu vermorschen. Nachdem sich Ernst Lasnik bereits 1997 für die Erhaltung eingesetzt hatte, berichtete das Internationale Städteforum Graz über die Brücke und erwirkte schließlich mit Geldern des Revitalisierungsfonds des Landes Steiermark sowie des Bundesdenkmalamtes eine Sanierung des Bauwerks. Schüler der Ortweinschule in Graz erstellten die Bestandsaufnahme und ein digitales Modell der Brücke, die danach für die Sanierungsarbeiten vom Jägerbataillon 18 des Bundesheeres demontiert wurde. Beim Wiederaufbau verzichtete man auf das nachträglich hinzugefügte Sprengwerk. Am 20. Juni 2001 wurde die sanierte Ströhberne Bruck’n feierlich wiedereröffnet. Die letzte Sanierung erfolgte im Jahr 2014, wobei eine Dachvariante aus Schilf gewählt wurde, weil es kaum noch Strohdecker gibt. Die Gravur des Baujahres 1816 lässt sich noch heute auf zwei originalen Lärchenholzbalken erkennen.[4][5][1]

Trotz des von Ernst Lasnik und Hasso Hohmann konstatierten historischen und architektonischen Wertes wurde die Brücke bislang nicht unter Denkmalschutz gestellt.

WeblinksBearbeiten | Quelltext bearbeiten

 Commons: Ströhberne Bruck’n – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten | Quelltext bearbeiten

  1. a b In Edelschrott gibt’s viel zu sehen … Die Ströhberne Brücke. Gemeinde Edelschrott, abgerufen am 14. Juni 2017.
  2. a b Ernst Lasnik: 177 Weststeirische Kostbarkeiten. Ein Kunst- und Kulturführer durch die Lipizzanerheimat. V. f. Sammler, Graz 2014, S. 41. ISBN 978-3-85365-273-2.
  3. Manfred Lukas: Die Teigitsch. Kleiner Fluss mit großer Energie. Selbstverlegt, Graz 2001, S. 60–63.
  4. a b Hasso Hohmann: Ströhberne Bruck’n. In: ISG-Magazin 1/2000, S. 14–15. Online verfügbar bei austria-forum.org
  5. Hasso Hohmann: Ströhberne Bruck’n saniert (Essay). Austria-Forum, abgerufen am 13. Juni 2017.